
Mir ist des Öfteren aufgefallen, dass viele Spieler mit Draws ihre Schwierigkeiten haben. Somit will ich Ihnen in diesem Artikel erläutern, wie ich mich dieser Problematik stelle.
Ich bin ein ziemlich aggressiver Spieler und habe gerne die Initiative. Durch einen Call kann man nur mit der besseren Hand gewinnen, während man durch Bets und Raises die Möglichkeit erhält den Gegner zum Folden zu bringen (im weiteren Artikel werde ich dieses Folden mit FE bezeichnen. Dies steht für Foldequity und entspricht der Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner seine Hand aufgibt). Wenn ich mein Spiel mit Draws beschreiben müsste, könnte man es wie folgt zusammenfassen:
Mit Initiative oder gar nicht.
Der größte Fehler wird meiner Meinung nach preflop bei der Auswahl der Starthände gemacht. Eine Hand wie kann ziemlich gut aussehen, meistens hat man damit jedoch einen einfachen Fold. Da die meisten Leute zu viele dieser Hände spielen (offsuited Broadway-Hände), wissen sie nicht, wie sie profitabel weiterspielen können, wenn sie einen Draw (Gutshot, OESD) treffen. Als Anfänger sollte man daher diese Hände meiden. Eine Hand wie ist viel einfach zu spielen, als diese Broadway-Hände. Man weiß genau wo man steht und es besteht nur eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass ein anderer Gegenspieler Outs von uns hält oder sogar eine bessere Straße macht.
So viel zum Preflop-Spiel. Nun möchte ich auf die verschiedenen Arten der Draws eingehen und wie man diese so gut wie möglich spielt. Meiner Meinung nach gibt es drei verschiedene Arten von Draws. Diese drei Kategorien unterscheiden sich grundlegend und sollten somit separat behandelt werden.
Die erste Kategorie ist relativ simpel, der schlechte Draws. Die beinhaltet Gutshotdraws ( bei X im Flop) oder das untere Ende einer OESD ( bei X auf dem Board). Mit diesen Händen kann man nur folden!. Die Chancen den Draw zu materialisieren sind gering, und falls man doch trifft, ist die stärke der eigenen Hand meist offensichtlich, so dass man nur wenig Profit rausschlagen kann.
Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Wenn der Gegner nur so wenig setzt, dass wir perfekte Odds auf den Call bekommen, oder wenn der Gegner so schlecht spielt, dass wir dennoch gut ausgezahlt werden. Grundsätzlich werfen wir diese Hände aber so schnell wie möglich weg.
Die zweite Kategorie sind ordentliche und gute Draws, wie z.B das obere Ende einer OESD oder den Nutflushdraw. Diese Hände sind sehr schwierig zu spielen, da man viele Parameter beachten muss, die bestimmen wie man die Hand spielen sollte. Der wichtigste Faktor hierbei ist nicht die eigene Hand, sondern die Hand des Gegners (so komisch das auch klingen mag). Man kann es nicht pauschalisieren und sagen „ Ich check-raise immer meinen OESD oder spiele den Nutflush imemr an". Das hängt immer vom Gegner ab und genau wie es drei verschiedene Drawkategorien gibt, so gibt es ebenfalls drei verschiedene Gegnertypen.
Gegen einen wirklich schlechten Gegner bleibe ich passive und calle meine Draws nur. Ich möchte den Pot klein halten, da der Gegner fast nie foldet (Toppair reicht oft aus um ein All in zu callen). Somit habe ich auch keine FE (der wichtigste Grund nicht zu betten oder zu raisen), werde aber dennoch gut ausbezahlt, sollte ich treffen.
Der zweite Spielertyp kann vernünftiges Poker spielen, er gehören jedoch nicht zu den Gegnern wovor man Angst haben müsste. Diese Spieler erkennen, dass wenn man am Flop und Turn ihre Bets nur callt und dann selber den River anspielt, man meist einen Draw getroffen hat. Gegner diesen Spielertypen ist es wichtig zwischen zwei Aspekten zu variieren und diese zu kombinieren (Potcontrol und Täuschung), so dass einen der Gegner nicht automatisch auf einen Draw setzt, der Pot aber gleichzeitig nicht zu groß wird. Out of Position check-calle ich gerne den Flop und spiele dann selber den Turn an. Diese Line ist nicht typisch für einen Draw und viele Spieler würden einen auch nicht auf einen Draw setzen. Man sollte hierbei jedoch den Turn nicht zu stark betten, etwas über halben Pot wäre ideal. Viele Gegner wissen nicht, ob sie das nun als Stärke oder Schwäche interpretieren sollen und callen meistens nur, um zu sehen was der River bringt. Durch diese Line haben Sie nun Ihre Hand nicht verraten, zusätzlich sehen Sie noch einen billigen River. Sie sollten jedoch ebenfalls bedenken, dass die den Turn nicht mehr callen können, wenn Sie geraist werden. Dieses Risiko müssen Sie auf sich nehmen. Es gibt einige Wege diese Faktoren zu kombinieren. Probieren Sie einige Lines aus und finden Sie heraus welche Sie bevorzugen. Viele Spieler raisen den Flop und nehmen sich dann eine Freecard am Turn. Nachdem das aber bereits so viele Spieler mit ihren Draws machen, kann man sie leicht auf eine entsprechende Hand setzen.
Die dritte und letzte Kategorie sind die guten Spieler, welche Sie respektieren und die Sie (hoffentlich) auch respektieren. Gegen diese Gegner spiele ich meine Draws sehr aggressiv, da sie auch in der Lage sind Toppair und Overpairs wegzulegen. Durch diese FE steigt auch Ihr Erwartungswert (EV) für diesen Spielzug. Diese Gegner wissen, dass sie auf einem Draw sind, wenn sie auf einem trockenem Board den Flop lediglich callen. Die beste Line gegen gute Spieler ist Bet/Call Flop, Bet Turn (out of Position), oder Bet/Raise Flop, Bet Turn (in Position), um so viel Stärke wie möglich zu signalisieren. Hierdurch wird Sie der Gegner niemals auf einen Draw setzen. Sollte der Gegner wirklich eine Hand haben, mit der er seine restlichen Chips in die Mitte schieben würde (das wird bei diesem Spielertyp relativ selten geschehen, wenn der Gegner keinen Read auf Sie hat), so werden Sie bei einem materialisierten Draw voll ausbezahlt. Der beste Aspekt gegen diesen Spielertypen anzutreten ist Ihre FE. Diese Gegner sind in der Lage so viele Hände zu folden, dass Sie es ausnützen können. Sie sollten das aber nicht zu oft machen und wenn Sie einen Showdown gesehen haben, müssen Sie Ihre Line wieder ändern, um weiterhin unvorhersehbar zu spielen. Falls der Gegner weiß wie Sie ihren Draw das letzte Mal gespielt haben, machen Sie das Gleiche mit einem Monster noch mal.
Die letzte Kategorie der Draws sind die Kombidraws, wie z.B. einen OESD + Flushdraw. Mit diesen Draws, sollten Sie versuchen so viel Geld so schnell wie möglich in den Pot zu bekommen. Die einzige Ausnahme wäre gegen einen sehr schlechten Spieler (Kategorie 1). Hier haben wir einen weitaus höheren EV, wenn wir nur callen und den Pot dann anspielen, wenn wir getroffen haben. Gegen alle anderen Spielertypen wollen wir so schnell wie möglich All-in gehen. Der Grund hierfür ist, dass unser Draw am Flop genauso stark wie eine Made Hand unseres Gegners ist. Wenn Sie einen OESD + Flushdraw floppen, sind Sie gegen ein Overpair vorne. Gegen Spieler der Kategorie 2 gehe ich gewöhnlich am Flop All in. Wir sind gegen ziemlich alles vorne was der Gegner halten könnte und da der Gegner hin und wieder seine Hand folden wird, ist der Move definitiv +EV. Wir sind meistens immer 50:50 oder besser und zusätzlich gewinnen wir ein paar Chips, wenn der Gegner aussteigt.
Grund für diese Spielweise ist, dass sich unsere Verbesserungschancen am Turn beträchtlich sinken. Auf dem Flop All in zu gehen, kann natürlich nur gemacht werden, wenn sich im Pot bereits eine große Anzahl Chips befinden und sie somit immer noch etwas gewinnen, sollte der Gegner folden. Beispiele hierfür sind Reraises preflop, oder wenn vor dem Flop geraist wurde und der Gegner spielt eine Continuationbet. Es gibt keinen Grund $25 in einen $1-Pot zu werfen, da das gewonnene Geld fast nicht den Aufwand rechtfertigt.
Nachdem wir nun die verschiedenen Arten von Draws unter die Lupe genommen haben, möchte ich noch das Thema „Draws in Multiway-Pots" ansprechen. Das wichtigste Kriterium ist hier die Stärke meiner Hand. Ein Nutflushdraw ist natürlich sehr viel besser als das untere Ende eines OESDs. Wenn es wahrscheinlich ist, dass andere Spieler ebenfalls auf einem Draw sind, so ist die Stärke Ihres Draws maßgebend für unsere Entscheidung. Wenn wir einen relativ schwachen Draw haben (Flushdraw ohne das Ass), so wollen wir, dass die anderen Draws folden. Wenn wir aber einen guten Draw halten, haben wir kein Problem damit, dass schlechtere Draws mitgehen. Diese schlechteren Draws werden uns voll auszahlen, wenn beide Spieler ihre Draws treffen.
Ein weiterer Vorteil im Multiway-Pot nur zu callen ist, dass, falls hinter Ihnen geraist wird und alle anderen Spieler callen, Sie hervorragende Odds bekommen.
In Multiway-Pots raisen wir also unsere schwachen Draws und callen unsere starken Draws. Ich hoffe dieser Artikel konnte Ihnen einen Einblick in die profitable Welt der Draws geben. Viel Erfolg an den Tischen.
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